Instandstellungen

Kehre San Bernardino

Vorbildlich sanierte und verstärkte Kehre an der San-Bernardino-Strasse GR. Bauformen, Material und Verarbeitung entsprechen dem traditionellen Strassenbau des frühen 19. Jahrhunderts in Graubünden.

 

«Wichtige Zeugen der Verkehrsgeschichte geraten unter Druck». Beitrag in der Zeitschrift «Wege und Geschichte» 2002
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ViaStoria-Buchhinweis: «Strassen als Baudenkmäler»

   

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Die San-Bernardino-Passstrasse

Die San-Bernardino-Passstrasse wurde als Teil der «Unteren Strasse» Chur–Bellinzona von 1818 bis 1826 vom Ingenieur Giulio Pocobelli aus Melide erbaut. Mit ihren trocken gemauerten Kehren, Dämmen und Wasserdurchlässen hat sie, besonders im Abschnitt zwischen Hinterrhein und Mesocco, den Charakter der Kommerzialstrasse des 19. Jahrhunderts weit gehend bewahrt.

Als Ausweichstrecke für die Nationalstrasse durch den San-Bernardino-Strassentunnel musste sie 1991–1995 instand gestellt und für den heutigen Automobilverkehr tauglich gemacht werden. Die hohe Verkehrsbelastung, für die sie im Zeitalter der Postkutschen nicht konzipiert worden war, hatte ihr stark zugesetzt.

Das kantonale Tiefbauamt Graubünden zog bei der Instandstellung unter anderem auch die ViaStoria-Vorgängerorganisation IVS in beratender Funktion bei. Ziel der Arbeiten war es, die Strasse bei bestmöglicher Bewahrung der historischen Substanz und unter Erhaltung des Gesamteindrucks zu verstärken und teilweise zu verbreitern. Dieses Ziel konnte erreicht werden.

Um die notwendige Belastungsfähigkeit zu erreichen, mussten die Trockenmauern verschiedentlich mit Beton verstärkt werden. Die Trockenmauer ist somit ihrer tragenden Funktion beraubt worden – ein Kompromiss, der zugunsten des Gesamteindrucks der wiederhergestellten Strasse eingegangen werden musste.


Vorverkleidete Betonmauer

Wo die Belastungsfähigkeit dies verlangte,
wurden mit Trockenmauern
verblendete Betonmauern errichtet.


Während der Arbeit zeigte sich, wie empfindlich auch schon nur kleine Veränderungen den Gesamteindruck der Strasse stören können, so etwa am Beispiel eines Tombinos, eines kleinen Wasserdurchlasses in der Form eines falschen Bogens:


Tombino original

Tombino vor der Instandstellung; es galt auch,
die Betonmauer (rechter Bildrand)
einer älteren Sanierung zu entfernen.


Der erste Versuch mit vorgeblendeten quaderähnlichen Werksteinen aus ortsfremdem Granit ist als missglückt zu bezeichnen, da auch die Gestalt der Öffnung nicht respektiert worden war


Tombino schlecht saniert

Missglückter älterer Versuch mit quaderähnlichen
Werksteinen


Auch die Variante mit vor Ort gewonnenen, jedoch allzu rechteckig behauenen Mauersteinen befriedigte nicht:


Tombino besser saniert

Vor Ort gewonnene, zu rechteckig behauene
Mauersteine (rechts)


Geglückt, wenn auch nicht perfekt ist die Rekonstruktion mit Bruchsteinen. Diese hätten zum Teil etwas plattiger ausgeformt sein müssen:


Tombino gut saniert

Geglückte Instandstellung


Die Instandstellung der San-Bernardino-Passstrasse hat gezeigt, dass auch unter schwierigen Bedingungen die Ansprüche des modernen Strassenverkehrs und der Schutz der historischen Verkehrswege unter einen Hut gebracht werden können. Es braucht dafür aber viel Geduld, gegenseitiges Entgegenkommen – und Geld.